26.08.19

Stadt ohne Zukunft?

Folgende Zuschrift erreichte uns wenige Tage vor der Landtagswahl.

"Gestern traf ich im Regionalzug nach Berlin einen jungen Mann aus Cottbus. Er ist afghanischer Staatsbürger und lebt seit 2015 in Deutschland. In dieser Zeit hat er meiner Meinung nach Sensationelles geleistet, hat eine vollkommen neue Sprache erlernt, das Abitur geschafft und ist jetzt im dritten Lehrjahr bei der Verwaltung in einem Landkreis. Dazu ist er gesellschaftlich interessiert und engagiert sich seit einem Jahr in einer politischen Partei. Später möchte er sich einbürgern lassen und mal ein Bundestagsmandat erringen. Wow.
Er findet, dass Cottbus eine wundervolle Stadt ist. Aber er wird diese Stadt verlassen. Nicht wegen mangelnder Zukunftsperspektiven, sondern weil er sich fast täglich von sogenannten Patrioten wegen seiner dunkleren Haar- und Hautfarbe beschimpfen lassen muss. Er lässt es, so gut es geht, an sich abprallen, aber leben möchte er auf Dauer damit nicht. Wer will das schon?!
Die Stadt wird mit ihm einen klugen, engagierten jungen Menschen verlieren. Und er bestätigt mir, dass das kein Einzelfall ist. Viele seiner Freunde haben sich sehr bemüht in Deutschland Fuß zu fassen, die Sprache zu lernen, sich zu integrieren, sich zu bilden. Und auch sie werden Cottbus den Rücken kehren, um in einer anderen Region, ohne Anfeindungen zu leben.
Was die AfD, Zukunft Heimat und deren Akteure und Sympathisanten dieser Stadt antun, wird erst in einigen Jahren deutlich sichtbar werden. Die Stadt wird weiter altern und junge, engagierte und gut ausgebildete Menschen verlassen die Region oder wollen hier nicht hinziehen. Das schwächt die Gesellschaft und die Zukunftsperspektiven von Cottbus immens.
Schon jetzt merken das viele Institutionen, die darauf angewiesen sind, Menschen nach Cottbus zu locken. Das CTK hat Probleme neue Mitarbeiter zu finden, der FCE spürt es bei den Versuchen Spieler zu verpflichten und die Studierendenzahlen an der BTU sind konstant rückläufig, um nur drei Beispiele zu nennen. Das alles wirkt noch viel tiefer und kleinteiliger auf viele Bereiche der Stadtgesellschaft.
Cottbus hat also neben dem ohnehin schon schwierigen Strukturwandel auch einen gesellschaftlichen Wandel bitter nötig. Das eine wird nicht ohne das andere funktionieren. Wenn dies nicht gelingt, wird nicht das viel beschworene Abendland untergehen, aber die Lausitz ganz sicher."